Ein Wiedersehen mit unseren Patenkindern

Vor zwei Monaten begleitete ich ein sehr nettes Ehepaar aus Colorado auf ihrer drei-wöchigen erlebnisreichen Reise durch Peru, die am Titicacasee endete. Am Stadtrand von Puno kamen wir in einem Hotel mit traumhaften Blick auf den See und die Bucht von Puno unter.  Am folgenden Morgen trafen uns zwei junge Männer aus der Familie unserer Patenkinder, William und Julio Cesar, die ihr Boot direkt am Hotel geankert hatten. Compadre Gonzalo kam uns zu unserer groβen Überraschung entgegen. Mit diesem Zusammentreffen hatte ich gar nicht gerechnet, wähnte ich ihn doch als Landarbeiter in der Nähe von Tacna an der Pazifikküste.  Er hatte sich extra für uns Urlaub genommen. Wir umarmten uns  herzlich und öffneten dann unsere chuspas (feingewebte Kokataschen) und tauschten rituell Kokablätter aus, ehe wir uns vorne ins Boot setzten und uns die letzten Neuigkeiten unserer Familien erzählten. Ich rechnete nach und kam zu dem Ergebnis, dass wir bereits seit etwa 28 Jahren eng miteinander befreundet sind!

Wie immer hielten wir kurz an den schwimmenden Schilfinseln der Uros und fuhren dann weiter zur Festlandinsel von Taquile, wo wir zwei Nächte im Heim von unseren Patenkindern Maria und Elias verbrachten. Letzten Oktober wurde der kleine Edzhiel geboren (nach 15 Jahren Ehe!) und ich war überglücklich ihn im Arm zu halten.

Die gesamte Familie kam zum Haus, um uns zu begrüβen und wir wurden von allen umarmt. Wir nahmen im Innenhof Platz und wurden bald mit leckeren Gerichten verwöhnt. Falls sie es nicht wussten: die Taquileños sind ganz bestimmt die besten Suppenköche der Welt! Die Mahlzeiten sind einfach und gesund und bestehen aus Grundnahrungsmitteln aus eigenem Anbau: Kartoffeln, Quinoa, Saubohnen, Mais, Chuño (gefriergetrockneten Kartoffeln) Ollucos und Ocas (Andenwurzeln) serviert mit Ají (frischen Chillis Mit Zwiebeln) und Muñatee (ein Minzengewächs, das überall auf der Insel wild wächst).

Mit Compadre Gonzalo besuchten wir Ruinen aus der Zeit vor den Inkas. Der Weg führte uns über neuangelegte Wege mit atemberaubenden Ausblicken. Die Großfamilie führte uns in alte Handarbeiten ein und wir erfuhren einiges über die Herstellung der feinen Web- und Strickwaren für die die Taquiler Bewohner so berühmt sind.

Es war wunderschön unsere Freunde auf der Insel wiederzusehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Das Leben dort ist super einfach und ohne jeglichen Komfort! Die freundliche Aufnahme der Menschen dort macht dies allerdings wirklich wett. Wie immer war ich traurig die Insel zu verlassen…

Wir besuchten ebenso unseren Compadre Teofilo und seine Familie in Hatuncolla. William und Christian, die wir in vorherigen Blog erwähnten sind seine Enkel.   Die gesamte Familie versammelte sich und war überglücklich über die mitgebrachten Avocados aus unserer reichhaltigen Ernte in Limatambo. Dank einiger Spenden von unseren Gästen aus Deutschland und den USA haben wir nun etwa 2/3 der Kosten für eine Laptop für William zusammengespart.

Wir kamen dort an einem kalten bewölkten Tag an. Obwohl wir uns mitten in der Trockenzeit befanden, hatte es die Nacht zuvor geregnet und ich spürte die Kälte bis auf die Knochen.  Ich bewundere Teofilo und seine Familie, die in einem sehr einfachen Haus mit Lehmboden und undichten Strohdach leben und keinerlei Heizung haben! Ich fror erbärmlich… aber durch die Begegnung mit der Familie wurde es mir wenigstens warm ums Herz!

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