
Vor Kurzem begleitete ich eine kleine Reisegruppe nach Puno und blieb im Anschluss in einer AirBnb Wohnung, um unsere Patenkinder von der Insel Taquile und Hatuncolla auf dem Altiplano in der Nähe von Sillustan zu besuchen. Zu Jahresanfang bekam ich Spendengelder von einer Gruppe aus Deutschland mit der ich in 2016 in Peru unterwegs gewesen war. Ich wollte nun persönlich schauen, was am Allermeisten benötigt würde.

Zuerst suchte ich Luz Nati auf. Vor zwei Jahren war sie in einem schweren Busunglück verwickelt gewesen, als sie an Karneval von der Küste nach Puno fuhr, um ihre Familie auf Taquile zu besuchen. Kurz vor Puno überschlug sich der Bus. Das Fazit: sieben Tote und viele Schwerverletzte. Die zwei Fahrer waren offensichtlich betrunken gewesen und begingen Fahrerflucht. Mehrere Stunden vergingen, ehe die Unfallopfer gefunden wurden und ins Krankenhaus in Puno überliefert wurden, denn der Unfall passierte im Morgengrauen. Luz Nati kam im Vergleich zu Anderen relativ leicht davon. Sie hatte vielfache Knochenbrüche am linken Oberarm. Sie wurde in einer Privatklinik operiert und der Bruch ist geheilt, allerdings nicht sehr gut, denn sie kann ihren Arm nicht voll einsetzen und hat oft Schmerzen. Daher ließen wir zuerst eine Röntgenaufnahme machen und konsultierten im Anschluss einen Traumotologen, der mir von mehreren Seiten empfohlen worden war. Wahrscheinlich ist das Problem, dass Luz Nati eine Reaktion gegen das verwendete Platin entwickelt hat, und es wäre auf jeden Fall ratsam es entfernen zu lassen. Wir versuchen nun die sonst eher kostspielige Operation durch die Gesundheitsgrundversicherung (obwohl diese oft zu wünschen übrig lassen kann) zu beantragen, in der Hoffnung, das uns der konsultierte Spezialist helfen kann, da er einmal wöchentlich im Versicherungskrankenhaus arbeitet. Dies bedeutet eventuell ein bürokratischer Papierkrieg und hoffentlich eine nicht zu lange Wartezeit.


Eines Morgens machte ich mich auf den Weg zum Gemeinschaftshaus der Taquileños in der Nähe des Hafen und nachdem ich mich zuerst mit einigen Mitgliedern der Großfamilie getroffen hatte, mietete ich kurzerhand ein Taxi und fuhr mit mehreren unserer Patenkinder und ihrer Geschwister zu den antiken Begräbnistürmen von Cutimbo. Vielleicht war es ganz gut, dass ich nicht vorher ahnte, dass wir einen Tafelberg von 4,023 Metern Höhe in der brennenden Mittagshitze besteigen mussten (dummerweise hatte ich auch nicht mal Wasser mitgenommen gehabt!), aber die Mühe hat sich trotzdem gelohnt. Manche der Türme hatten hervorragende Skulpturen von Pumas und die Aussicht war einfach traumhaft! Im Anschluss besuchten wir meine Comadre Pelagia und Luz Nati auf der kalten Hochebene von Acomayo, wo die Beiden damit beschäftigt waren Chuño (gefriergetrochnete Kartoffeln) herzustellen. Wir wurden zu einem leckeren Essen von Hochlandkartoffeln geladen.


Am Vatertag kamen meine Compadres von Hatuncolla nach Puno, zusammen mit unserem Patensohn Christian (16) und seinem älterem Bruder William (20). Beide sind von Geburt an schwer körperlich behindert. Christian hat das Laufen gelernt und hat eine gewisse Beweglichkeit, aber traurigerweise ist William an den Rollstuhl gefesselt (die nächste Spende plane ich für einen neuen Rollstuhl zu verwenden, denn die zwei voherigen, die wir ihm besorgt hatten, sind völlig abgenutzt und kaum noch brauchbar). William studiert gern über das Internet und ebenso tauscht er sich ständig mit uns über WhatsApp aus. Daher haben wir ihm jetzt ein Mobiltelefon geschickt, damit er sich nicht mehr Telefone ausleihen muss. Ich kleidete beide Buben in Puno von Kopf bis Fuß neu ein und danach fuhren wir alle zusammen nach Hatuncolla, wo wir zusammen mit den Großeltern Teófilo & Julia ein leckeres Mittagessen genossen. Ich bin dankbar für die wunderbare Zeit, die ich mit meinen Patenfamilien verbringen durfte, alle sind mir sehr ans Herz gewachsen!
Fahren Sie bei Gelegenheit mit uns zum Titicacasee, warden Sie alle selbst kennenlernen.



