Unterwegs im Manu Nationalpark

Vor Kurzem begleitete ich unsere Gäste auf einer fünftägigen Reise in den Regenwald von Manu und es war ein unvergessliches Erlebnis. Da ich viele Jahre lang hauptberuflich als Naturführerin in der reservierten Zone von Manu gearbeitet hatte, habe ich eine tiefe Verbindung zum Wald und ich war überglücklich zu einem meiner Lieblingsorte auf diesem Planeten zurückzukehren.

Wir fuhren im Morgengrauen aus Cusco los und nahmen die Straße ins Hochland, vorbei an den Inkaruinen von Pisac. Es war ein kalter sonniger Morgen und die Landschaft war noch vom Frühtau bedeckt.  Wir hielten kurz am ersten Pass um die atemberaubenden Ausblicke zu genießen.
Nachdem wir uns die Beine vertreten hatten ging unserer Reise weiter zum Kolonialort von Paucartambo, der einst als Tor zum Antisuyu der Inkas galt. Bald danach ging es bergauf zum Pass von Acjanaco, der mit seiner Páramovegetation tief in den Nebel gehüllt war. Wir wanderten ein Stück die Straße entlang und genossen die großartige Flora von Farnen und Flechten, sowie einigen blühenden Orchideen, Erikaarten und anderen Pflanzen. Auch konnten wir einen Andenguan im Nebel beobachten.
    Weiter bergab wurde die Vegetation dichter und der Wuchs der Bäume viel größer während wir vom Zwergwald in den Nebelwald übergingen. der Nebel begann sich zu lichten und nun konnten wir ab und an die Straße erkennen, die durch die wie von einem grünen Teppich überzogenen Berge führte.
Am Nachmittag erreichten wir unser Ziel San Pedro gerade rechtzeitig um den Balztanz der Andenfelsenhähnchen an einem ihrer Leks zu beobachten. Welch ein irres Spektakel! Die Männchen sind auffallend orangefarben, während die Weibchen gut getarnt sind, denn sie kümmern sich jeweils allein um ihr Nest. Wir konnten ein paar braune Weibchen in der Nähe beobachten, die für einige Aufregung unter den Männchen sorgten.

Wir verbrachten die Nacht in einer zauberhaften Lodge, die ganz aus Naturmaterialien gebaut und völlig vom Wald umgeben ist. Hier genossen wir ein Abendessen bei Kerzenlicht und es waren nur die Geräusche des Waldes zu hören.

Am nächsten Morgen wurden wir von dem Summen der Kolibris vor unseren Schlafzimmern geweckt. Ein paar gemischte Scharen von Tangaren machten ebenfalls ihre Visite. Wir bewunderten die Orchideensammlung im Garten und nahmen ein herzhaftes Frühstück unter den Bäumen mit Blick auf den Fluss, ein.
Unsere Weiterfahrt brachte uns in den Tiefland Regenwald durch das Kosñipatatal und weiter nach Atalaya, dem ersten schiffbaren Hafen des Alto Madre de Dios Flusses. Als wir am Ausblickspunkt oberhalb von Atalaya ankamen und den Blick auf den Fluss genossen, hatten wir das sagenhafte Glück Sumpfspringäffchen und braune Kapuzineraffen zu sichten.

In Atalaya stiegen wir in unser Kanu mit Aussenboardmotor für unsere kurze Flussreise zu unserer am anderen Ufer gelegenen Lodge ein. Wir sahen Kormorane sowie einen großen schwarzen Habicht auf dem Weg. Nach einer zehnminütiger Wanderung durch den Wald kamen wir in unserer Lodge an und aßen zu Mittag. Im Anschluss beobachteten wir Kolibris, Tangaren und sogar Chachalacas im Garten.  Einst war die Lodge eine Teeplantage gewesen aber seit bereits vielen Jahren gehört sie  zu einem Naturschutzgebiet und inzwischen ist sie zum Geheimtipp von Vogelkundlern geworden. Leider hat der Fluss einen großen Teil des Geländes und der Urwaldwege im Tiefland weggeschwemmt. Wir kletterten den Pfad im Bergwald zum 30 m hohen Ausblicksturm hinauf, von wo wir den herrlichen Ausblick über den Fluss genießen konnten.

Einer der schönsten Momente war es für uns als wir eine Familie von Wasserschweinen am kleinen Altarm überraschten. Wir haben bestimmt eine halbe Stunde damit verbracht uns an die Tiere näher heranzupirschen während wir jede Menge Fotos machten. Die Wasserschweine haben sich durch uns gar nicht stören lassen. Wir sahen ebenfalls einen schwarzen Kaimanen, einen Schwarzschwanztrogon, Sumpfspringäffchen, Totenkopfäffchen, braune Kapuzineraffen und den seltsamen urigen Hoatzin.
Eines Morgens ging es flussabwärts zur Papageiensalzlecke. Wir sahen ein paar Scharlachrote Aras und die kleineren Mülleramazonen sowie Blaukopfpapageien auf den Baumkronen in der Nähe der Lecke. Allerdings waren nicht viele Vögel dort, daher gaben die meisten Reisegruppen, die wie wir dort gewartet hatten, bald auf und verließen den Ort. Unser Ausharren wurde jedoch belohnt, denn die kleineren Papageien kamen zum Schluss doch noch an die Lehmwand der Lecke hinunter um Mineralien aufzunehmen. Wir beendeten unser Urwaldabenteuer mit einem Besuch vom Machuwasi Altarm in der Nähe der Ortschaft von Salvación. Auf dem Pfad dorthin folgten wir einer lärmenden Truppe von Totenkopfäffchen. Am Altarm angekommen begaben wir uns auf ein Floß und stakten durch das Wasser. Hier konnten wir weitere Hoatzine beobachten (sie schienen fast zahm zu sein), sowie Hornwehrvögel, Limpkins, Donacobiusspottdrosseln und Guane.
Es war eine super Reise mit fantastischen Tiersichtungen und unvergesslichen Landschaften gewesen!

Ein Gedanke zu „Unterwegs im Manu Nationalpark“

  1. Liebe Oda und lieber Armando

    Herzlichen Dank für die wunderschönen Bilder und Reiseberichte. Wir erinnern uns immer wieder sehr gerne an die ganz tolle Reise vor ein paar Jahren mit euch. Das Photobuch zücken wir ab und zu um in diese wundervolle Welt einzutauchen. Ihr habt einen festen Platz in unseren Herzen und wer weiss, vielleicht gibts mal ein Wiedersehen ;-).
    Mit dankbaren und herzlichen Grüssen
    Monika und Klemens

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